Themen dieses Blogartikels:
Inhaltsverzeichnis
- Definition: Was ist Brennnessel?
- Welche Inhaltsstoffe stecken in der Brennnessel?
- Brennnessel und Wasserhaushalt
- Kann Brennnessel beim „Entgiften" helfen?
- Brennnessel und Gelenke
- Brennnessel: Haut und Haare
- Brennnessel und Hormone
- Brennnessel und Histamin
- Brennnessel in Küche und Geschichte
- Wann brauchst du Brennnessel besonders?
- Brennnesseltee, Extrakt & worauf du im Alltag achten solltest
- Wie viel Brennnessel brauchst du am Tag?
- Worauf sollest du bei der Einnahme achten
- Literaturverzeichnis & Quellen
Kaum eine Pflanze wird so unterschätzt wie die Brennnessel – für die meisten ist sie vor allem als brennendes Unkraut am Wegesrand bekannt. Dabei zählt die Brennnessel-Wirkung seit Jahrhunderten zu den traditionsreichsten Themen der europäischen Naturheilkunde.
Definition: Was ist Brennnessel?
Die Große Brennnessel (Urtica dioica) gehört zur Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae).¹ Ihren Namen verdankt die Brennnessel dem lateinischen "uro"/"urere" (brennen, sengen) – eine direkte Anspielung auf die feinen Brennhaare auf Blättern und Stängeln, die bei Berührung das charakteristische Brennen auslösen.¹
Nicht zuletzt wegen ihres vielfältigen Anwendungsspektrums wurde die Große Brennnessel 2022 vom Naturheilverein Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres gewählt – eine Auszeichnung, die der Verein seit über 20 Jahren jährlich vergibt.² Neben der Großen Brennnessel gibt es außerdem die eng verwandte Kleine Brennnessel (Urtica urens), die kleiner bleibt, aber ähnliche Inhaltsstoffe aufweist und ebenfalls als Heilkraut geschätzt wird.³ Man findet beide Brennnessel-Arten vor allem auf feuchten Böden, Wiesen und an Wegrändern, oft auch auf brachliegenden Flächen.⁶
Verwendet werden unterschiedliche Pflanzenteile – und das ist ein wichtiger Punkt, den viele nicht wissen: Blatt, Wurzel und Samen der Brennnessel enthalten unterschiedliche Zusammensetzungen an Wirkstoffen.⁴ Die Wurzel enthält beispielsweise andere Substanzen wie Phytosterole, die im Blatt kaum eine Rolle spielen.⁵ Der gesamte weitere Artikel bezieht sich – ebenso wie die üblicherweise in Nahrungsergänzungsmitteln verwendete Extraktform – ausschließlich auf das Blatt der Großen Brennnessel.
Welche Inhaltsstoffe stecken in der Brennnessel?
In den Brennnesselblättern steckt eine ganze Reihe interessanter Inhaltsstoffe, die diese Heilpflanze auszeichnen:
- Mineralstoffe: unter anderem Natrium, Eisen und Kalium⁷
- Vitamine: darunter Vitamin C (Ascorbinsäure)⁸ sowie Vitamin A und Vitamin E⁹
- Flavonoide: unter anderem Quercetin-Glykoside und Rutin, denen antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden¹⁰
Diese Kombination gilt als Basis für die traditionell zugeschriebene Wirkung der Brennnessel. Wichtig für die Einordnung: „Traditionell verwendet" bedeutet, dass eine Pflanze über einen langen Zeitraum in der Erfahrungsmedizin genutzt wurde – das ist etwas anderes als die Studienlage bei einem klassischen, isolierten Wirkstoff.
Brennnessel und Wasserhaushalt: die bekannteste Wirkung
Der wohl bekannteste Aspekt der Brennnessel-Wirkung ist ihr Bezug zum Wasserhaushalt. Die oberirdischen Pflanzenteile der Brennnessel – also vor allem die Blätter – werden traditionell als harntreibend beschrieben und mit den Harnwegen in Verbindung gebracht.¹¹ Die harntreibende Eigenschaft der Brennnessel wird dabei nicht auf einen einzelnen Wirkstoff zurückgeführt, sondern auf das Zusammenspiel mehrerer Inhaltsstoffe wie Kalium-Salze und Flavonoide.¹²
Um diesen Zusammenhang besser einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf etwas, das wir bereits in unserem Grundlagenartikel zum Säure-Basen-Haushalt genauer erklärt haben: Der pH-Wert deines Blutes wird rund um die Uhr automatisch und sehr stabil reguliert. Was dagegen tatsächlich messbar und durch äußere Faktoren beeinflussbar ist, ist die Ausscheidung über die Niere – sichtbar im Urin, nicht im Blut. Eine unterstützte Harnausscheidung hängt eng mit genau diesem Ausscheidungsweg zusammen.
Traditionell werden Brennnesselblätter häufig gemeinsam mit Petersilienkraut verwendet. Auch die Blätter der Petersilie werden traditionell als harntreibend beschrieben.¹³ Die Kombination beider Pflanzen hat in der traditionellen Kräuterkunde eine lange Geschichte, weil sich ihre Eigenschaften in dieselbe Richtung ergänzen.
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Kann Brennnessel beim „Entgiften" helfen?
Dein Körper ist rund um die Uhr damit beschäftigt, Stoffwechselreste auszuscheiden – dabei helfen dir vor allem Leber, Nieren, Darm, Haut und Lunge. Wenn wir von „Entgiften" oder „Detox" sprechen, meinen wir in der Regel, genau diese natürlichen Prozesse zu unterstützen.
Brennnesselblätter zählen traditionell zu den Kräutern, die in diesem Zusammenhang genannt werden. Mehr zum Thema Entgiftung, den beteiligten Organen und wie du deinen Körper dabei im Alltag unterstützen kannst, findest du in unserem Grundlagenartikel zum Thema Detox.
Ein Hinweis zur Einordnung: Die harntreibende Eigenschaft der Brennnessel (siehe oben) ist der am besten belegte Effekt und unterscheidet sich von einer allgemeinen „Entgiftung" – beides hängt zwar über die Ausscheidung zusammen, ist aber nicht dasselbe. Für strukturierte Detox-Kuren im engeren Sinn gilt zudem: Die wissenschaftliche Evidenz dafür ist umstritten, auch wenn viele Menschen sie – etwa bei Erschöpfung – als unterstützend für ihr Wohlbefinden empfinden.
Brennnessel und Gelenke: eine traditionsreiche Verbindung
Neben dem Wasserhaushalt gibt es noch eine zweite, offiziell anerkannte traditionelle Anwendung von Brennnesselblättern beziehungsweise Brennnesselkraut: die Linderung leichter Gliederschmerzen. Laut der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zählt das zu den traditionellen Indikationen der Pflanze.²² Diese Verbindung zu Gelenkbeschwerden, Arthritis und Rheuma hat in der Volksheilkunde eine lange Geschichte – über Generationen hinweg wurde Brennnessel dafür sowohl innerlich als Tee als auch äußerlich angewendet.²³
Interessant dabei: Während für den Wasserhaushalt vor allem die enthaltenen Mineralstoffe und Kalium-Salze im Vordergrund stehen (siehe oben), wird die traditionelle Verwendung bei Gelenkbeschwerden eher mit den in der Brennnessel enthaltenen Flavonoiden in Verbindung gebracht, denen entzündungsbezogene Eigenschaften zugeschrieben werden.²³ Ähnlich wie beim Wasserhaushalt gilt aber auch hier: Die Studienlage zur traditionellen Anwendung ist etwas anderes als eine durch kontrollierte klinische Studien abgesicherte Wirksamkeit im modernen Sinn.
In der Praxis findet sich Brennnessel deshalb häufig nicht allein, sondern als ein Baustein unter mehreren in umfassenderen Pflanzenkomplexen für den Bewegungsapparat – oft gemeinsam mit anderen traditionell bekannten Naturstoffen wie Weihrauch oder Curcuma sowie mit gezielten Mikronährstoffen für den Knorpel- und Bindegewebsstoffwechsel.
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Brennnessel für Haut und Haare
Die Brennnessel gehört zu den siliziumreichen Pflanzen und wird in diesem Zusammenhang traditionell mit Haut und Bindegewebe in Verbindung gebracht.¹⁴ Eine Studie an menschlichen Haarfollikeln im Organkultur-Modell zeigte zudem, dass ein Brennnesselextrakt das Wachstum des Haarschafts fördern und den Übergang in die Ruhephase (Katagenphase) verzögern konnte.¹⁵ Solche Zell- und Organkultur-Studien geben erste Hinweise, lassen sich aber nicht ohne Weiteres auf die Anwendung beim Menschen übertragen.
Brennnessel und Hormone: Was steckt in der Wurzel?
Wie eingangs beschrieben enthält die Wurzel der Brennnessel andere Substanzen als das Blatt, darunter Phytosterole.⁵ Im Blatt selbst, das im restlichen Artikel im Fokus steht, spielt dieser Aspekt eine deutlich untergeordnete Rolle. Wenn du dich mehr über das Thema Hormone informieren möchtest lese unseren Blogartikel "Welche Hormone gibt es?".
Brennnessel und Histamin, warum die Brennnessel überhaupt brennt
Ein interessantes Detail am Rande: In den Brennhaaren der Brennnessel – also genau dem Teil, der beim Berühren die bekannten Quaddeln auf der Haut auslöst – befinden sich unter anderem Histamin und Acetylcholin.¹⁶ Das ist der Grund für das charakteristische Brennen bei Hautkontakt und hat nichts mit einer Wirkung im Körper nach der Einnahme zu tun. An den Brennhaaren selbst ändert sich durch Trocknen oder Erhitzen übrigens einiges – deshalb verlieren getrocknete Brennnesselblätter ihre stechende Wirkung.
Diese drei Themen sind vielschichtig genug, dass wir ihnen an anderer Stelle noch ausführlicher nachgehen werden.
Brennnessel in Küche und Geschichte: von Hildegard von Bingen bis zur Wildkräuterküche
Neben ihrer Rolle als Heilpflanze in der Naturheilkunde hat die Brennnessel auch kulinarisch eine lange Tradition: Als Wildkraut geerntet, lassen sich junge Blätter im Frühling ähnlich wie Spinat als Gemüse zubereiten – etwa in Suppen.¹⁷ Im Garten ist die Brennnessel außerdem als Brennnesseljauche bekannt, ein traditionell hergestellter Flüssigdünger.¹⁹
Historisch reicht die Verwendung der Brennnessel noch weiter zurück: Die Benediktinerin Hildegard von Bingen beschrieb die Pflanze im 12. Jahrhundert in ihrem Werk "Physica" – gekocht sei die Brennnessel nützlich für die Ernährung, weil sie den Magen reinige und Schleim aus ihm entferne.¹⁸ Diese historische Zuordnung zu Magen-Darm-Beschwerden zeigt, wie lange die Brennnessel bereits Teil der überlieferten Medizin ist – eine wissenschaftliche Bestätigung im heutigen Sinn ist damit aber nicht verbunden. Bis heute ist die Brennnessel als Heilkraut fester Bestandteil vieler Kräutergärten und Naturheilvereine.
In welchen Situationen wird Brennnessel traditionell genutzt?
In der bisherigen Beschreibung sind bereits einige Situationen angeklungen, in denen Brennnessel traditionell häufiger eine Rolle spielt:
- In der Übergangszeit zum Frühling, wenn junge Brennnesselblätter traditionell für eine Frühjahrskur geerntet werden
- Wenn dein Wasserhaushalt im Alltag ein Thema ist – etwa an warmen Tagen
- Als Teil einer bewussten, abwechslungsreichen Ernährung, wenn dich Wildkräuter aus der Küche interessieren
Brennnesseltee, Extrakt & worauf du im Alltag achten solltest
Am bekanntesten ist sicher der Brennnesseltee, der aus getrockneten Blättern zubereitet wird – ein bis zwei Teelöffel getrocknete Blätter pro Tasse, mit heißem Wasser übergossen und einige Minuten zugedeckt ziehen lassen.²⁰ Traditionell wird Brennnesseltee gerne als Frühjahrskur getrunken, wenn die ersten jungen Blätter geerntet werden können.¹⁷ Daneben gibt es Brennnesselblätter auch als Extrakt, etwa in Kapsel- oder Tropfenform – eine konzentriertere Alternative zum klassischen Brennnesseltee.
Wichtig bei allen Anwendungsformen, die auf eine unterstützte Ausscheidung abzielen – egal ob als Brennnesseltee oder als Extrakt: Ausreichend trinken gehört immer dazu, damit der Körper das, was ausgeschieden werden soll, auch tatsächlich transportieren kann.
Wie viel Brennnessel brauchst du am Tag?
Da Brennnessel kein klassischer Nährstoff ist, gibt es dafür keine Zufuhrempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wichtig zur Einordnung ist aber, wo die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) die Grenze zwischen Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel zieht: Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel gelten Brennnesselblätter erst ab einer Einzeldosis von 2 bis 4 Gramm getrockneten Blättern pro Teeaufguss, bis zu dreimal täglich – also ab einer Tagesmenge von etwa 8 bis 12 Gramm.²¹
Nahrungsergänzungsmittel sind bewusst unterhalb dieser arzneilich wirksamen Menge dosiert, damit keine arzneimittelähnliche Wirkung entsteht und die Einordnung als Nahrungsergänzungsmittel erhalten bleibt. Die im jeweiligen Produkt enthaltene Menge liegt entsprechend deutlich unter den hier genannten Arzneimittel-Dosierungen – maßgeblich ist immer die Verzehrempfehlung auf der Verpackung des jeweiligen Produkts. Laut EMA wird von einer Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren abgeraten, und bei den arzneilich dosierten Mengen können gelegentlich milde Magen-Darm-Beschwerden auftreten.²¹ Bei Unsicherheit lohnt sich, wie immer, die Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Worauf solltest du bei der Einnahme achten?
Bei aller Naturbelassenheit lohnt sich auch bei der Brennnessel ein Blick auf ein paar Punkte:
- Eingeschränkte Herz- oder Nierenfunktion: Wegen der harntreibenden Wirkung wird bei bestehenden Einschränkungen dieser Organe von einer Anwendung ohne ärztliche Rücksprache abgeraten, da sich das auf den Flüssigkeitshaushalt auswirken kann.²²
- Entwässernde Medikamente: Wer bereits verordnete Diuretika einnimmt, sollte vor der zusätzlichen Einnahme von Brennnessel-Präparaten mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen, da sich die entwässernde Wirkung verstärken könnte.²²
- Bekannte Überempfindlichkeit: Wer allergisch auf Pflanzen der Familie der Brennnesselgewächse reagiert, sollte auf die Anwendung verzichten.²³
- Schwangerschaft und Stillzeit: Aufgrund der harntreibenden Wirkung empfiehlt sich hier grundsätzlich Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt vor der Einnahme.²³
- Praktischer Tipp beim Sammeln: Wer frische Brennnesselblätter selbst erntet, greift am besten zu Handschuhen – die Brennhärchen wirken auch an der frischen Pflanze noch zuverlässig.
Fazit
Die Brennnessel ist weit mehr als nur ein brennendes Unkraut. Ihre Mineralstoffe, Vitamine und Flavonoide machen die Brennnessel zu einer Heilpflanze mit langer Tradition – vor allem im Zusammenhang mit dem Wasserhaushalt, aber auch darüber hinaus. Wie so oft in der Naturheilkunde gilt: Traditionelle Erfahrung ist wertvoll, ersetzt aber nicht den kritischen Blick auf das, was tatsächlich belegt ist.
Dieser Lexikon-Eintrag beruht auf sorgfältig recherchierten Quellen:
Literaturverzeichnis & Quellen
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